El-Sherbini-Prozess: Geständnis, aber keine Reue
04.Nov.2009
Der Angeklagte Alex W. wird in den Verhandlungssaal gebracht.
Dresden (dpa) - Nach wochenlangem Schweigen hat der Angeklagte im Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini das Verbrechen gestanden. Sein Anwalt Veikko Bartel verlas am Mittwoch eine entsprechende Erklärung im Dresdner Landgericht.
«Heute kann ich es selbst nicht mehr verstehen, warum ich das Verbrechen begangen habe», zitierte Bartel aus dem sechsseitigen Dokument, das der 28-Jährige unterschrieben hatte. Darin gibt der Russlanddeutsche die Angriffe auf Marwa El-Sherbini und ihren Mann zu. Sein Motiv sei jedoch nicht Fremdenhass gewesen, sondern Enttäuschung gegenüber der deutschen Justiz. Reue zeigte Alex W. nicht.
Alex W. fühlte sich «vom Staat schikaniert»
«Es stimmt, dass ich eine ausländerfeindliche Gesinnung habe, aber das ist nicht das Motiv», zitierte Bartel. Sein Mandant habe sich «in einem Zustand der Angst und Panik befunden», durch das Beleidigungsverfahren gegen sich unter Stress gestanden und Furcht vor einer Gefängnisstrafe gehabt. Er habe sich «machtlos», «vom Staat schikaniert» und ungerecht behandelt gefühlt. Der erste Strafbefehl habe ihn schockiert, er sei depressiv gewesen und habe sich in den Wochen vor der Berufungsverhandlung mit viel Alkohol betäubt. Ein «komischer Zustand» habe danach seine Entscheidungen beeinflusst.
Nach Angaben von Alex W. war die Tat nicht geplant, das Messer habe er schon mehrere Wochen im Rucksack gehabt. «Ich habe nicht geplant, es für einen Angriff auf die Zeugin oder ihren Mann zu benutzen.» An die Tat selbst habe er keine vollständige Erinnerung, hieß es. Er sei an diesem Tag sehr aufgeregt gewesen. Nachdem seine Frage an Marwa El-Sherbini, warum sie in Deutschland sei, abgelehnt worden war, habe er sich selbst «das Kommando gegeben aufzustehen und auf sie loszugehen». Dann habe er die Personen nur noch als Schatten und Gestalten wahrgenommen.
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